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Schneidezähne
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Der Satz: „Die Winkelung der Schneidezähne des Pferdes wird mit zunehmendem Alter spitzer.“ findet sich in der Literatur in jedem Exemplar, das sich mit der Anatomie des Pferdes beschäftigt. Meißtens mit dem Hinweis, daß die Winkelung der Schneidezähne zur Altersschätzung mit herangezogen wird. Leider bleibt es dabei nur bei dieser Feststellung und es wird in keinster Weise darauf eingegangen, warum dies so ist. Der Grund für die Winkeländerung ist erschreckend einfach: mangelnder Abrieb.
Schneidezähne schieben ebenso wie die Backenzähne in die Mundhöhle nach. Durch die heutigen Fütterungsbedingungen (weiche, nährstoffreiche Gräser; Pellets; Getreide; Heu) erfahren die Schneidezähne keinen nennenswerten Abrieb mehr. Dadurch werden die Schneidezähne, im Verhältnis zu den Backenzähnen, um einiges länger und verhindern ein physiologisches Aufeinandertreffen (Okkludieren) der Backenzähne. Um aber weiterhin Nahrung mahlen zu können, muss die Kaumuskelatur (die stärkste Muskelgruppe des Pferdes) übermäßig stark arbeiten, um trotzdem die Backenzahnreihen aufeinander zu bringen. Dies hat eine Überlastung des Kiefergelenks und der Schneidezähne zur Folge. Sie werden hierdurch exzentrisch belastet und müssen somit dem Druck, zur Lippe hin (labial), ausweichen, d.h. die Winkelung der Schneidezähne wird spitzer.
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Dadurch dass die Schneidezähne beim Pferd eine Sichelform aufweisen, entsteht eine Hebelwirkung, die die Wurzel in Richtung Maulhöhle und die Zahnkrone in Richtung Lippe forciert. Auf diesen Druck hin wird der Alveolarknochen (Zahnfach im Kieferknochen) abgebaut. Dieses kann bis zum Durchbrechen der Zahnwurzel in die Maulhöhle führen! Das dieses äusserst schmerzhaft sein muss, liegt auf der Hand. Mit Hilfe einer Lichtquelle ist das nur noch pergamentartig dünne Kieferfach erkennbar, zu sehen bei den nachfolgenden Fotos eines Schädels.
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Um diese schwerwiegenden Langzeitschäden zu vermeiden, gehört ein Kürzen der Schneidezähne bis zur Wiederherstellung der Balance zwischen Schneide- und Backenzähnen unbedingt zu einer vollständigen Zahnbehandlung dazu (einmal jährlich). Hierbei reicht es nicht aus (bei längerem Nichtbehandeln der Schneidezähne), mit Handraspeln manuell nur ein wenig zu begradigen. Um genügend Zahnsubstanz, in Hinsicht auf die Balance zwischen Schneide- und Backenzähnen, abtragen zu können, wird die Benutzung wassergekühlter, elektrisch rotierender Instrumente zwingend notwendig. Die besten Ergebnisse lassen sich mit einer diamantierten Scheibe erzielen.
Ob die Balance zwischen Schneidezähnen und Backenzähnen vorhanden ist (ganz gleich, ob vor oder nach einer Behandlung), kann jeder Pferdebesitzer ganz leicht und ungefährlich selbst überprüfen. Hierzu werden der Ober- und Unterkiefer des Pferdes aufeinander gedrückt und seitlich (unter Zahnkontakt) gegeneinander verschoben. Hört man nur ein „glattes“ und kein „rumpelndes“ Geräusch, sind die Schneidezähne zu lang und müssen entsprechend gekürzt werden. Das „glatte“ Geräusch liegt in der ebenen Kaufläche der Schneidezähne begründet, während die Backenzähne eine strukturierte Kaufläche aufweisen. Dieser Unterschied ist bei diesem einfachen Test deutlich zu hören. Wenn kein deutliches „Rumpeln“ zu hören ist, sind die Schneidezähne zu lang. Man sollte mit diesem Test auch kontrollieren, ob der Unterkiefer gleichmäßig und frei zu allen Seiten beweglich ist.
Testen Sie es ruhig einmal an Ihrem Pferd.
Ebenso gibt der Verlauf der Schneidezahnreihen Hinweise auf eine Malokklusion (fehlerhaftes Aufeinanderbeißen). Als Beispiele wären zu nennen:
• „Smile“ (konkaver Verlauf der Linie zwischen Ober- u. Unterkieferschneidezähnen) • „Frown“ (konvexer Verlauf der Linie zwischen Ober- u. Unterkieferschneidezähnen) • „schief“ (schiefer Verlauf der Linie zwischen Ober- u. Unterkieferschneidezähnen)
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